Dr. Karsten Reuß

Diplom Volkswirt


Im Zentrum der Bildungsökonomik steht die Untersuchung der Auswirkung von Bildung auf individuelle und volkswirtschaftliche Erträge auf dem Arbeitmarkt. In der Bildungsökonomik werden Kosten und Erträge unterschiedlicher Bildungsmaßnahmen mit Hilfe von Bildungsrediten geschtätzt, z.B. die Aufnahme eines Studium an einer Hochschule.

Die moderne Bildungsökonomik beschränkt sich dabei jedoch nicht auf die klassiche "formale Bildung". "Bildung" kann dabei im gesamten Lebenszyklus, also bereits während der Schwangerschaft bis ins hohe Alter stattfinden. Nur die Formen von Bildung ändern sich. Und Bildung kann auch nichtmonetäre Erträge in anderen Lebensbereichen, z.B. mit Blick auf Gesundheit und Lebenszufriedenheit liefern.

Bildungsökonomik ist dabei oft eng mit Ökonometrie und ökonometrischen Methoden verknüpft: Im Mittelpunkt der Studien steht oft die Schätzung kausaler Wirkungszusammenhänge mit denen z.B. Bildungsrediten ermittelt werden können. Langfristig ist Bildung für eine Volkswirtschaft in hohem Maße relevant, denn nur durch Bildung kann neues Wissen geschaffen werden, was für zukünftiges Wirtschaftswachstum essentiell ist. In diesem Punkt gehen bildungsökonomische Fragestellungen meist fließend in innovationsökonomische Fragestellungen über.

Die hohe Bedeutung von Bildung haben die industrienationen länger erkannt. Während des Dresdner Bildungsgipfels 2008 wurde beispielsweise für Deutschland das Ziel gesetzt, 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung auszugeben.

Dr. Karsten Reuß befasst sich seit vielen Jahren mit bildungsökonomischen Fragestellungen. Diese waren unter anderem ein wichtiger Bestandteil seiner Dissertation.

Friedhelm Pfeiffer, Karsten Reuß (2013)
Improving Educational Investments: A Welfare Analysis for Europe. Regional and Sectoral Economic Studies. 13 (3):

Diese Studie analysiert mit neuen Simulationsmethoden wie Bildungsinvestitionen die Humankapitalbildung in Europa verbessern können. Dabei wird ein Modell verwendet, dass die altersabhängige Fähigkeitsentwicklung unter Berücksichtigung von dynamischen Komplementaritäten simuliert. Dabei werden verschiedene kontrafaktische Invesitionsmaßnahmen mit Hilfe einer Wohlfahrtsfunktion evaluiert. Individuen treffen in dem Modell auf dynamische Weise stets die für sie vorteilhaften Bildungsentscheidungen. Das Modell wird an 29 verschiedene europäische Länder angepasst und kalibriert. Um gesellschaftliche (Einkommens-)ungleichheit langfristig am effektisten zu verringern, ist es am wirksamsten, benachteiligte Kinder in der frühen Kindheit zu fördern. In einem homogenisierten Europa steigen die Bildungsrediten unter Umständen an.

Katja Coneus, Manfred Laucht, Karsten Reuß (2012)
The role of parental investments for cognitive and noncognitive skill formation: Evidence for the first 11 years of life:

Die Studie untersucht den Einfluß von Bildungsinvestitionen im Elternhaus auf die Entwicklung kognitivier, mentaler und emotionaler Fähigkeiten während der Kindheit. Hierfür werden Daten der Mannheimer Risikokinderstudie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit verwendet. Dabei zeigt sich, dass der Einfluß elterlicher Bildungsinvestitionen auf kognitive und mentale Fähigkeiten kontinuierlich mit dem Alter der Kinder sinkt, während emotionale Fähigkeiten schwerer zu beeinflussen sind.

Karsten Reuß (2011) - Dissertation
Age-dependent Human Capital Investments and Socio-Economic Outcomes:

In seiner Dissertation untersucht Karsten Reuß die Determinanten der Humankapitalentwicklung über den Lebenszyklus. Sie besteht dabei aus zwei Teilen: Im ersten Teil wird ein Simulationsmodell für den menschlichen Lebenszyklus entwickelt, dass die Zusammenhänge zwischen Humankapitalinvestitionen und den Erträgen auf dem Arbeitsmarkt untersucht. Darüber hinaus wird die Einkommensverteilung der Bevölkerung in Deutschland und Europa berücksichtigt. Mit Hilfe des Modells können die langfristigen sozioökonomischen Auswirkungen unterschiedlicher Bildungspolitiken abgeschätzt werden. Der zweite Teil beinhaltet verschiedene ökonometrische Methoden, darunter Regressionsanalysen, Clusteranalysen und Faktorenanalysen um einen umfangreichen Paneldatensatz zu analysieren und dabei Wirkungszusammenhänge zu identifizieren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das familiäre Umfeld einen entscheidenden Einfluss auf kognitive und nichtkognitive Fähigkeiten hat, der über die Zeit abnimmt. Daher kann eine Ungleichheit von elterlichen Invesitionen sehr langfristige Folge für die Humankapitalentwicklung in der Gesellschaft haben.